Iris
Ernst Fay

Ernst Fay

Die Cerebralisierung des Viszeralen

… oder: vom Bauch in den Kopf.

Vielerlei ist unstrittig: (a) Bei Begegnungen mit Bewerbern in einer Auswahlsituation stellt sich bisweilen das legendäre „Bauchgefühl“ ein. (b) Der Bauch hat nichts gesehen, nichts gehört, nichts gerochen, nichts ertastet, nichts geschlussfolgert. (c) Dieses Bauchgefühl rührt dennoch irgendwo her und ist ernst zu nehmen. (d) Ein Ziel der professionellen Gestaltung einer jeden Auswahl- und Bewertungssituation (Interview, Audit, DC, AC, ..)  muss es sein, aus diesem Bauchgefühl „eine rationale Sache“ zu machen.

Sie sollten erkennen, was zum „guten Bauchgefühl“ geführt hat; nur dann können Sie sich klar darüber werden, ob dieses „gute Gefühl“, das beispielsweise v.a. durch sozial kompetentes Auftreten gespeist ist, eine ausreichende Basis für einen Arbeitsvertrag bietet. Im negativen Fall stellt sich z.B. die Frage, ob Ihr Gefühl, dass Ihr Gegenüber „einfach nicht zu fassen“ ist, von dessen „konjunktivisch-schwebender“ Ausdrucksweise herrührt: Dieses „könnte, sollte, würde, vielleicht, ja aber, eventuell, …“ wäre jedoch leicht „behebbar“. Und dann würde ggf. ein klar denkender Mensch mit hoher Eigeninitiative, großem Verantwortungsbewusstsein und hoher Fachkompetenz sichtbar.

Vertrauen Sie Ihren Gefühlen, aber setzen Sie alles daran, ihnen „auf die Spur zu kommen“, damit sie Ihnen nicht den Blick auf andere wichtige Aspekte verstellen.

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2 Kommentare zu „Die Cerebralisierung des Viszeralen“

  1. Kristine Heilmann

    Manch ein verdienter Manager „alten Schlages“ – und um im Klischee zu bleiben: meist ist es ein Mann -, der es geschafft hat, allen Qualifizierungsversuchen durch seinen HR-Manager zu entgehen, betont gerne mit besonderem Nachdruck: „Bleiben Sie mir weg mit Ihren komplizierten Assessments – ich brauch‘ mir einen Menschen nur ein paar Minuten angucken, dann weiß ich, was das für einer ist.“ Dabei reibt er sich den Bauch, und die Tatsache, dass er mit seinen Prognosen auch noch ab und zu richtig liegt, bestätigt ihn in seiner Haltung.
    Was ist da passiert?
    Erstens: In den besten Fällen hat da einer eine Menge Lebenserfahrung angesammelt, ohne sich dieser in aller Vollständigkeit bewusst zu werden: Er hat viele Menschen mit ihren Erfolgen und Misserfolgen gesehen und sich daraus Bilder vom erfolgreichen und weniger erfolgreichen Mitarbeiter gebildet. Und vieles an diesen Bildern ist vermutlich durchaus richtig, aber leider nicht an andere vermittelbar, weil es den Weg vom Bauch in den Kopf noch nicht angetreten hat.
    Zweitens: Unser Manager vertraut seinem ersten Eindruck und begeht damit einen klassischen „Beurteilungsfehler“ – nicht, weil der erste Eindruck immer falsch ist, sondern weil er ab und zu falsch ist, und man leider nicht vorher wissen kann, wann das der Fall ist, und weil er in aller Regel ein unvollständiger Eindruck ist.
    Drittens: Ab und zu richtig zu liegen reicht völlig aus, um sich „sicher“ zu sein, dass man das richtige Prinzip gefunden hat – ein typischer Fall von sogenannter „intermittierender Verstärkung“. Dieses Belohnungsmuster funktioniert übrigens auch bei den sogenannten „Einarmigen Banditen“: Die Spieler sind sich sicher, dass ihr Geschick zum Gewinn führt, wenngleich diese Spielautomaten tatsächlich Geld nach Zufallsprinzip ausspucken.
    Wenn Sie es künftig besser machen wollen, empfehlen wir Ihnen ein Training in der Beurteilung von Personen: http://www.itb-consulting.de/de/produkte/personalentwicklung/bereich-c/seminare-und-trainings/

  2. Avatar
    Stephan Hübner

    Lieber Herr Fay, falls Sie eine E-mail mit diesem text erhalten , würden Sie diese bitte an mich weiterleiten?
    Viele Grüße aquch von Herrn Didi.
    Stephan Hübner

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