Anke Terörde-Wilde

Anke Terörde-Wilde

Konzernweite Assessment Center

Welche Rolle spielt Kultur?

Eine wichtige Frage, die sich viele international agierende Unternehmen stellen, ist die nach der Balance zwischen kulturspezifischer Ausgestaltung von Assessment-Centern und dem gleichzeitigen Bedarf an konzernweiter Standardisierung. Diese Frage ist vor allem für Assessment-Center-Verfahren bedeutsam, die unter fremdkulturellen Bedingungen durchgeführt werden, also dann, wenn ein bewährtes Verfahren von der Unternehmenszentrale in die Auslandsniederlassungen „exportiert“ werden soll.

Kulturspezifische Ausgestaltung eines Assessment-Centers bedeutet:

  • Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Kriterien für Berufserfolg in der betreffenden Kultur,
  • kulturspezifische Beobachtertrainings und Kandidatenfeedbacks, und
  • falls nötig, kulturspezifische Auswahl oder „Einkleidung“ der Übungen.

Verfechter des Einsatzes kulturübergreifender Verfahren gehen hingegen davon aus, dass

  • allgemeine, kulturübergreifende Eigenschaften existieren, die für effektives Arbeiten in einer Organisation unabdingbar sind,
  • bestehende Diagnoseverfahren auf verschiedene Länder übertragen werden können,
  • Standardisierung und Validitätssicherung die Verwendung einheitlicher Kriterien und Verfahren verlangen, und
  • die Anwendung einheitlicher Auswahlverfahren in verschiedenen Kulturen zu einer homogenen Organisationskultur beiträgt.

Die Vor- und Nachteile einer kulturspezifischen Anpassung beziehungsweise Standardisierung liegen auf der Hand: Kulturübergreifend standardisierte Verfahren erlauben eine bessere Vergleichbarkeit von Assessment-Center-Ergebnissen, bergen aber – zumindest wenn sie einseitig aus der „kulturellen Blickrichtung“ der Konzernzentrale heraus konzipiert werden – das Problem, dass unter Umständen nicht für alle Teilnehmer Chancengleichheit besteht. Kulturspezifische Verfahren erschweren eine konzernweite Vergleichbarkeit von Assessment-Center-Ergebnissen, sind aufwändiger in der Konstruktion, gewährleisten aber, dass kulturelle Spezifika angemessen berücksichtigt werden.

Für das Ausmaß an Kulturspezifizität in einem Assessment-Center gibt es offenbar keine „Patentlösung“. Die Antwort wird außer von der Zielsetzung des Verfahrens und der anvisierten Teilnehmergruppe nicht zuletzt von der jeweiligen Unternehmensstrategie bestimmt. Ist ein Unternehmen zentral geführt, werden eher einheitliche Verfahren verlangt, als wenn ein Unternehmen dezentral organisiert ist. Ungeachtet dafür für welche Option sich ein Unternehmen entscheidet, sollte eins immer im Vordergrund stehen: Die Einhaltung zentraler Qualitätsstandards bei der Entwicklung der Verfahren.

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