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Günter Trost

Günter Trost

Wertorientierte Kompetenzmodelle bei der Führungskräfte-Auswahl

Der Paukenschlag in der Presse Mitte Juli: Die Top-Manager einer einst führenden und hoch renommierten Privatbank sind zu empfindlichen Strafen verurteilt worden. Vorwurf: „gemeinschaftlich begangene Untreue in einem besonders schweren Fall“. Der Vorgang bringt einen ins Grübeln. Da sitzen Männer auf der Anklagebank, die aus bestem Elternhaus kommen, Top-Universitäten besucht haben, Prädikatsexamina und atemberaubende Karrieren vorweisen können; brillante Köpfe, fachlich überragend, hoch intelligent, weltgewandt. Sie haben allesamt eine lange Reihe von Auswahl- und Beurteilungsverfahren durchlaufen, bis sie in die Spitzenpositionen gelangt sind. Und dann wird ihnen nachgewiesen, dass sie ihr Unternehmen, die Anteilseigner und die Kunden um Riesensummen betrogen haben. Wie ist das möglich?
Es ist möglich, weil offenbar bei den ausgefuchsten Selektionsprozessen auf der Leiter zu den höchsten Ämtern bedeutsame Aspekte außer Betracht blieben, nämlich Eigenschaften wie Lauterkeit und Verantwortungsbewusstsein, also, mit anderen Worten, die Orientierung des eigenen Verhaltens an ethischen Werten. Wir wissen, dass diese Art eines Grundakkords, mit dem die vielfältig variierten Melodien des Alltagsverhaltens im Einklang stehen, nichts ist, was sich beim Einzelnen in kurzen Zeitabständen ändert. So etwas fliegt einen nicht eben mal an und verflüchtigt sich ebenso schnell wieder. Es handelt sich vielmehr um sehr konstante Determinanten des täglichen Verhaltens, ob im Berufs- oder im Privatleben.
Kriterienkataloge oder Kompetenzmodelle in der Wirtschaft, an denen Potenzial und Leistung gemessen werden, greifen mithin viel zu kurz, wenn sie die Orientierung an Werte nicht einschließen. Und in der Tat beobachten wir zunehmend – und unterstützen wir – Unternehmen, bei denen Begriffe wie Integrität und Verantwortungsbewusstsein einen festen Platz in einem Kompetenzmodell haben, das bei der Auswahl von Führungskräften, bei der Leistungsbeurteilung, bei Beförderungsentscheidungen, gar bei der Gehalts- oder Bonusbemessung als Kriterienraster angelegt wird.

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