Situational Judgment Tests

Der Begriff Situational Judgment Tests (SJT) beschreibt Testverfahren, die situaionsbezogenes Entscheiden und Verhalten erfassen. Der Begriff bezieht sich dabei – anders als bei z. B. Persönlichkeitstests oder Intelligenztests nicht auf das zu erfassende Konstrukt, sondern auf den Testaufbau. SJTs bestehen aus dem sogenannten Itemstamm, im dem eine erfolgskritische Situation dargeboten wird, und der Situationsbeurteilung, die in verschiedenen Formen erfolgen kann.

Wie bereits deutlich wurde, gibt es nicht den einen Situational Judgment Test. SJTs können sich hinsichtlich folgender Aspekte unterscheiden:

  1. Das zu erfassende Konstrukt: Mit SJTs können alle Konstrukte erfasst werden, die in erfolgskritischen Situationen relevant sind. Das können klassische Konstrukte sein wie Persönlichkeitseigenschaften, Interkulturelle Kompetenz, Motivation oder Führungskompetenz, genauso wie sehr spezifische Kompetenzen, z. B. Verhalten in Patienten- oder Mitarbeitergesprächen.
  2. Wissen vs. Verhalten: Abhängig davon, wie die Instruktion formuliert wird, wird mit einem SJT entweder das Wissen über das richtige Verhalten (z. B. Welches Verhalten ist in dieser Situation richtig?) oder das tatsächliche Verhalten (z. B. Wie würden Sie sich in dieser Situation verhalten?) erfasst. Dabei hängen SJTs mit Wissensinstruktion eher mit kognitiven Kompetenzen zusammen und SJTs mit Verhaltensinstruktion eher mit Persönlichkeitsfaktoren.
  3. Beurteilung der Situation: Klassische Formate sind z. B. die Vorgabe verschiedener Verhaltensoptionen, die hinsichtlich der Effektivität oder Angemessenheit entweder einzelnen auf einer Skala beurteilt oder aus denen einen ausgewählt oder in eine Rangreihe gebracht werden sollen. Genauso gibt es aber auch SJTs, bei denen ein Freitext geschrieben werden muss.
  4. Darbietungsform: Neben der klassischen Form, die Situation und die Antwortalternativen schriftlich darzubieten, eignen sich SJTs auch für alternative Darbietungsformen, z. B. Videos oder Comics.

Neben der großen Variabilität bieten Situational Judgement Tests noch weitere Vorteile. Sie haben durch die oft alltagsnahen Situationen einen hohen Berufsbezug und erfreuen sich daher zum einen einer hohen Akzeptanz bei den Teilnehmenden. Zum anderen haben sie dadurch auch den Effekt eines Self-Assessments und regen die Teilnehmenden zur Selbstreflexion an. SJTs, die persönlichkeitsnahe Konstrukte erfassen, haben gegenüber klassischen Persönlichkeitstests zudem den Vorteil, dass sie weniger durch sozial erwünschtes Antwortverhalten verfälscht werden können.

Zurück zum HR Wiki-Verzeichnis