Häufig kommen Personen in Führungspositionen, weil sie ausgewiesene Experten in ihrem Fachgebiet sind. Nicht immer wird dabei sauber unterschieden zwischen den verschiedenen Führungsaufgaben: Während Experten sich oft besser und auch lieber in fachlichen Führungsaufgaben engagieren, für die sie ihr Expertenwissen bereits vorqualifiziert, verlangen andere Führungsaufgaben zusätzliche und andere Kompetenzen. Insbesondere bei höheren Führungskräften – also jenen, die selbst Führungskräfte führen – steht die strategische Führung im Vordergrund.
Fachliche Führung: Expertise und operative Steuerung
Die fachliche Führung beschreibt die Verantwortung für inhaltliche und operative Aufgaben. Fachliche Führungspersonen treffen Entscheidungen über die konkrete Umsetzung von Aufgaben und Projekten und sind verantwortlich für Qualität, Effizienz und Zielerreichung im operativen Tagesgeschäft. Diese Personen verfügen in der Regel über spezielles Fachwissen und Erfahrung. Manchmal führen sie ohne formale Weisungsbefugnis.
Strategische Führung: Orientierung geben und Komplexität managen
Strategische Führung zielt auf die Entwicklung übergeordneter Ziele und die Priorisierung zentraler Vorhaben ab. Sie ist in der Regel die Hauptaufgabe höherer Führungskräfte. Strategische Führungskräfte stellen sicher, dass Organisationen auf ihre langfristigen Ziele hinarbeiten. Die entscheidende Fähigkeit strategischer Führungskräfte besteht darin, über die eigene Routine und Fach-Expertise hinauszudenken. Dies hat auch zur Konsequenz, dass der Umgang mit komplexen Zusammenhängen sowie mit Unsicherheit und Ambiguität (Unklarheit und Mehrdeutigkeit) Teil der Führungsaufgabe ist.
Strategische Führung umfasst im Model der Teamorientierten Führung von ITB
- Visionen vermitteln
- Werte leben
- Ziele erreichen.
Die Anforderungen an moderne Führungskräfte sind anspruchsvoll.
Webinar: Strategie auf den Punkt gebracht
In diesem kompakten Online-Impuls zeigen wir, was Strategie im Kern ausmacht. Wir beleuchten, welche Konsequenzen sich daraus für Organisation und Führung ergeben. Zudem geben wir einen Einblick, wie sich strategische Kompetenz mit diagnostischen Verfahren erfassen lässt.
Was unterscheidet sehr gute und weniger geeignete strategisch Führende? Erfahrungen aus der Praxis
Soziale Kompetenzen sind ebenso wie für fachlich Führende für den Erfolg strategischer Führungskräfte wichtig. Allerdings gibt es für strategisch führende Personen Aspekte, die zusätzlich zu den zwischenmenschlichen Kompetenzen entscheidende Unterschiede ausmachen: Nach Erfahrung der ITB Consulting lassen sich einige konkrete Punkte benennen, durch die sich sehr gute strategische Führungskräfte von weniger geeigneten unterscheiden lassen.
Typische Schwierigkeiten strategischer Führungskräfte
Immer wieder stellt ITB in der Arbeit mit strategischen Führungskräften z. B. in ACs, DCs, Coaching und Reflexionen typische Schwierigkeitsfelder fest:
- Die Führenden fokussieren häufig schnell auf vertraute Parameter. Relevante Faktoren außerhalb des eigenen Erfahrungsrahmens werden häufig nicht erkannt und deshalb auch nicht in Analysen berücksichtigt. Der Blick aus der Vogelperspektive fehlt häufig, obwohl nur dieser dabei helfen könnte, alle relevanten Parameter zu erfassen.
- Relevante Faktoren und Parameter für Entscheidungen werden in Analysen häufig unverbunden nebeneinander gestellt. Vernetzung, also die Interdependenzen verschiedener Faktoren, wird oft nicht erkannt. Dies betrifft auch und besonders die bestmögliche Kombination von Faktoren zur Zielerreichung und die bestmögliche Alternative eines Faktors als zweite Option. Die Konsequenz daraus ist, dass der größte Hebel für effiziente Zielerreichung und weitere Optionen oft nicht identifiziert werden.
- Oft sind höhere Führungskräfte gute Moderatoren, die Expertenmeinungen und Erfahrungswissen aus mehreren Quellen erfassen und für ihre Vorgehensweisen berücksichtigen. Allerdings fehlt häufig die Fähigkeit, jenseits der Summe aller Meinungen auf ein eigenes, reflektiertes Bewertungssystem zurückzugreifen: Wie bewerte ich die verschiedenen Quellen und deren Aussagen? Wie gewichte ich sie? Warum?
- Nach Erfahrungen der ITB Consulting und empirischen Erkenntnissen, etwa der GLOBE-Studie zeigt sich: Strategische Führung heißt auch Komplexität managen. Komplexität entsteht durch eine Vielzahl miteinander verknüpfter Elemente, dynamische Veränderungen, Unsicherheit und divergierende Interessen. Sie zeigt sich darin, dass Zusammenhänge nicht vollständig vorhersehbar sind und deren Deutung von der Perspektive der Beteiligten abhängt. Zur Handhabung von Komplexität bieten Frameworks wie das Cynefin-Framework (Snowden, 2001) oder das Boston Model (Boston Consulting Group, 1970er Jahre) strukturierte Orientierungshilfen.
Methoden und Frameworks für strategische Führung in der Praxis – wie kann HR ganz konkret unterstützen?
HR-Abteilungen haben vielfältige Möglichkeiten zu Förderung der Kompetenzen strategischer Führungskräfte. Im ersten Schritt sollte eine Standortbestimmung bezogen auf die oben genannten Punkte erfolgen. Assessment oder Development Center, die eine anspruchsvolle strategische Aufgabe, oder Fallstudie enthalten, sind hierzu gut geeignet. Die Aufgabenstellung sollte eine Abstraktion von den unmittelbaren Erfahrungen der Führungskräfte darstellen, so dass sich deren Umgang mit Unvertrautem, Unsicherem und Komplexem erkennen lässt.
Nachdem der Status-Quo ermittelt wurde, können HR-Abteilungen spezifische Fördermaßnahmen für ihre strategisch führenden Führungskräfte anbieten. Sinnvolle Trainingsinhalte sind vor allem:
- Wie sammelt man als Führungskraft vielfältige Einflussfaktoren und erkennt deren Einfluss auf- bzw. Abhängigkeit voneinander? (Netz von Einflüssen)
- Wie entwickelt man geeignete Bewertungsmethoden für Bereiche und Themen, die neu sind oder außerhalb der eigenen Erfahrung liegen? Dazu gehören eine präzise Problemdefinition und die Auswahl relevanter Kriterien.
- Wie meistert man Balanceakte in komplexen Entscheidungssituationen? Dazu kann man Entscheidungsprozesse in klare Phasen und Komponenten gliedern, um die Komplexität beherrschbar zu machen.
- Die gezielte Förderung von kommunikativen Fähigkeiten der strategisch Führenden erhöht den Effekt dieser Trainingsinhalte. So lernen Führungskräfte, Stakeholder aktiv einzubinden sowieVisionen und Strategien klar und motivierend zu vermitteln.
Quellen
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House, R. J., Dorfman, P. W., Javidan, M., Hanges, P. J. & De Luque, M. F. S. (2014). Strategic Leadership across Cultures: The GLOBE Study of CEO Leadership Behavior and Effectiveness in 24 Countries. https://doi.org/10.4135/9781506374581
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Zimber, A. & Hentrich, S. (2015). Psychische Gesundheit von Führungskräften: Ergebnisbericht zur PsyGeMa-Studie (Mental health risks of managers and supervisors: results of a cross-sectional study). In Research Gate. https://doi.org/10.13140/rg.2.1.2728.3681


