Bei Situational Judgement Tests müssen sich die Kandidaten für eine Handlungsoption entscheiden

Situational Judgment Tests: Ein ökonomischer Weg, berufsbezogenes Verhalten zu erfassen

Situational Judgment Tests (Testverfahren zum situationsspezifischen Handeln, SJT) sind Verfahren, mit denen man situationsspezifisches Handeln, Entscheiden und Verhalten erfassen kann. SJTs werden vor allem in der Personalauswahl und Personalentwicklung eingesetzt. Bei einem SJT werden hypothetische Situationen, primär aus dem Berufsalltag, präsentiert. Die Teilnehmenden sollen sich in die Situation hineinversetzen und entscheiden, wie sie reagieren beziehungsweise was sie tun würden.

Verschiedene Arten von Situational Judgment Tests

  • Das zu erfassende Konstrukt: Mit SJTs können alle Konstrukte erfasst werden, die in erfolgskritischen Situationen relevant sind. Das können klassische Konstrukte sein wie Persönlichkeitseigenschaften, Interkulturelle Kompetenz, Motivation oder Führungskompetenz, genauso wie sehr spezifische Kompetenzen, zum Beispiel Verhalten in Patienten- oder Mitarbeitergesprächen.
  • Wissen vs. Verhalten: Je nachdem, wie die Instruktion formuliert wird, wird mit einem SJT entweder das Wissen über das richtige Verhalten (should-do-Instruktion: Welches Verhalten ist in dieser Situation richtig?) oder das tatsächliche Verhalten (would-do-Instruktion: Wie würden Sie sich in dieser Situation verhalten?) erfasst. Dabei hängen SJTs mit Wissensinstruktion eher mit kognitiven Kompetenzen zusammen und SJTs mit Verhaltensinstruktion eher mit Persönlichkeitsfaktoren.
  • Beurteilung der Situation: Klassische Formate sind z. B. die Vorgabe verschiedener Verhaltensoptionen, die hinsichtlich der Effektivität oder Angemessenheit entweder einzelnen auf einer Skala beurteilt oder aus denen einen ausgewählt oder in eine Rangreihe gebracht werden sollen. Genauso gibt es aber auch SJTs, bei denen ein Freitext geschrieben werden muss.
  • Darbietungsform: Neben der klassischen Form, die Situation und die Antwortalternativen schriftlich darzubieten, eignen sich SJTs auch für alternative Darbietungsformen wie Videos oder Comics.

Eine weitere Variation der SJTs ist die Art der Instruktionen. Sollen die Teilnehmenden nach ihrem Wissen und ihren kognitiven Fähigkeiten agieren, wird eine should-do-Instruktion definiert. Dabei sollen die Teilnehmenden ihre Entscheidung so fällen, wie sie in dieser Situation handeln sollten. Als Alternative dazu agiert die would-do-Instruktion. Die Teilnehmenden werden hierbei in der Instruktion angehalten, ihre Entscheidung nach ihrem tatsächlichen Verhalten auszurichten, also wie sie in dieser Situation handeln würden. Die meisten SJTs werden in Schriftform dargeboten, es existieren auch einige videobasierte Varianten. 

Die Vor- und Nachteile von SJTs

Ein Situational Judgment Test bietet einige Vorteile. So ist er ein valider Prädiktor für berufsrelevante Faktoren, wie die spätere Arbeitsleistung. Außerdem erfreut er sich, auch bei den Teilnehmenden großer Beliebtheit – das zeigen nicht nur Studien, sondern auch die Erfahrungen aus unseren verschiedenen Kundenprojekten. Ein SJT weist eine hohe Berufsbezogenheit auf, er bietet eine gute realistische Vorstellung für die angestrebte Position und ermöglicht einen ersten Einblick in mögliche Aufgaben und Herausforderungen, die mit dem Job einhergehen.

Dadurch können die Teilnehmenden für sich selbst reflektieren und selektieren, ob sie sich vorstellen können, in einem bestimmten Job zu arbeiten. Des Weiteren ist ein SJT weniger anfällig für soziale Erwünschtheit. Mit den schriftbasierten Formen bietet der SJT einen effizienten und ökonomischen Weg, komplexe Berufssituationen und mentale Arbeitsproben abzubilden. Der Anwendungsbereich der SJTs ist sehr groß, die einzelnen Situationen können variabel an Unternehmen, berufliche Position, Branchen, etc. angepasst werden. So kann er als Teil eines Assessment und Development Centers eingesetzt werden oder auch als Unterrichtsmethode in Ausbildungen oder im Studium.

Dies erfordert aber auch einen höheren zeitlichen Aufwand und Fachexpertise bei der Konzeption neuer SJTs. Man muss sich mit der Zielgruppe, dem Anforderungsbereich des Unternehmens bzw. der Position auseinandersetzen und individuelle Items für diesen Zweck entwickeln, die den Anforderungen des Berufes entsprechen und diese realistisch abbilden. Des Weiteren sind die Kennwerte zu bestimmten Gütekriterien wie Reliabilität, faktorielle Validität oder Konstruktvalidität schwer zu erfassen bzw. gibt es dazu ambivalente Befunde.

Auch wenn die Konzeption zeitintensiv sein kann, beweist er sich als ökonomischer Weg, das Verhalten, Handeln und Entscheiden in berufsbezogenen Situationen zu erfassen und gibt den Teilnehmenden zeitgleich einen Einblick in realistische Anforderungen und Herausforderungen.

Die Situational Judgment Tests von ITB

Der ITB-TAP ist ein Testverfahren zur Erfassung ausbildungsrelevanter Persönlichkeitseigenschaften und wurde spezifisch für die Zielgruppe der Auszubildenden konzipiert. Dabei werden vier Persönlichkeitseigenschaften erfasst, die eng mit der Ausbildungsreife verbunden und relevant für den späteren Ausbildungserfolg sind, wie etwa soziale Kompetenz und Belastbarkeit. Der TAP ist ein Online-Verfahren und wurde für fünf verschiedene Bereiche entwickelt: Technisch-handwerkliche Berufe, Kaufmännische und Verwaltungsberufe, Soziale und Pflegeberufe, IT-Berufe und Handel-Dienstleistungsberufe.

Außerdem bieten wir den ITB-LEAS an. Er besteht aus zwei Teilen und kann in der Personalentwicklung eingesetzt werden, um herauszufinden, ob sich die Teilnehmenden als Führungskraft eignen. Im ersten Schritt wird dabei das allgemeine Interesse an einer Führungslaufbahn erfasst. Im zweiten Schritt folgt der SJT, der die Kompetenzen Management, Leadership und strategisches Denken erfasst. Dabei werden typische Berufsszenarien mit vier Handlungsoptionen dargestellt. Im Anschluss der Bearbeitung folgt ein ausführliches Feedback mit Anhaltspunkten für die persönliche Weiterentwicklung.

Ein weiterer von ITB entwickelter Situational Judgment Test ist der ITB-ICCA, der sich mit der interkulturellen Kompetenz der Teilnehmenden beschäftigt. Er ist besonders hilfreich im Kontext von Berufstätigen, die interkulturell und international agieren. Außerdem kann er vor Auslandsentsendungen eingesetzt werden. Der ICCA kombiniert einen SJT mit Elementen eines Persönlichkeitsinventars. Dabei werden neun Szenarien beschrieben, die berufliche Situationen im interkulturellen Kontext abbilden, die Teilnehmenden müssen sich entscheiden, wie sie in diesen handeln würden. Mit Hilfe des ICCAs werden die drei Kompetenzen Einstellung und Motivation, Umgang mit sich selbst und Umgang mit anderen erfasst. Im Anschluss erhalten die Teilnehmenden einen ausführlichen Ergebnisbericht mit ihren individuellen Werten der drei Facetten und mit Entwicklungshinweisen. Der ICCA ist ein englisch-sprachiger Test und kann kulturübergreifend eingesetzt werden.

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