Intelligenz für Beruferfolg-groß Tafel mit Formeln

Ist Intelligenz wirklich so wichtig für Berufserfolg?

Wer intelligent ist, ist erfolgreich im Beruf – so die gängige Meinung. Was aber ist eigentlich Intelligenz, wie wichtig ist sie  und wie lässt diese sich wirklich messen? Und was sagt die Höhe der Intelligenz über den Berufserfolg aus?

Wie ist „Intelligenz“ definiert?

Der Begriff bzw. das dahinterliegenden Konstrukte „Intelligenz“ polarisiert und ist für manche pure Scharlatanerie. Wie soll man durch das Bearbeiten abstrakter Testaufgaben, vielleicht Zahlenreihen, etwas über die Eignung, also über den späteren Berufserfolg erfahren können? „Es gibt doch so viele beruflich Erfolgreiche, die in diesen Tests schlecht abschneiden! Oder etwa nicht?“, sagen skeptische Menschen.

Für die Befürwortenden gehört ein guter Intelligenztest zu jeder Personaldiagnostik. Intelligenztests würden mehr über die Zukunft eines Menschen aussagen als zum Beispiel der Lebenslauf, Interviews oder reine Assessment-Center ohne Testbestandteile.

Diese alte Debatte wollen wir hier etwas genauer unter die Lupe nehmen und auch neue Forschungsergebnisse ansehen.

Was heißt überhaupt „Intelligenz“? Das Wort „Intelligenz“ stammt vom Lateinischen intellegere ab und bedeutet erkennen, einsehen und verstehen. Nach einer Definition von David Wechsler, der als einer der ersten zur Intelligenzmessung forschte, ist es die Fähigkeit, „zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen“ (Wirtz, 2020).

Und dies ist nur eine Intelligenzdefinition unter vielen. „Intelligenz ist, was ein Intelligenztest misst.“ So lautet ein Zitat von Edward Boring, einem der Urväter in der Intelligenzforschung. Was als Kritik an Intelligenzforschung verstanden werden könnte, ist aber eigentlich viel mehr. Dies bedeutet auch, dass der eingesetzte Test in dieser Konsequenz darüber entscheidet, welche Art von Intelligenz für welchen Erfolg gemessen wird. Es gibt eben nicht die Eine. Entsprechend kann der eine Test zuverlässig den Studienerfolg vorhersagen, der andere den Erfolg in bestimmten Berufszweigen.

Intelligenz und Berufserfolg – ein erfolgreiches Paar in der Eignungsdiagnostik?

Vermutlich ist es in jeder Branche dasselbe: Es gibt viele Expertise-Streitigkeiten, natürlich auch in der Eignungsdiagnostik… und trotzdem gibt es eine große Schnittmenge geteiltes Wissens. Was bedeutet dies für die Eignungsdiagnostik?

Der Großteil der Expert:innen in der Eignungsdiagnostik sind sich einig: Intelligenztests weisen die beste Vorhersagekraft für den Berufserfolg auf. Diese schneiden bei der Prognose von Berufserfolg besser ab als alle anderen Testarten wie z.B. Persönlichkeitstests.

Eine aktuelle Langzeitstudie zu Intelligenz und Berufserfolg kommt zu einem klaren Ergebnis

Eine spannende Studie (Lang & Kell 2020), kürzlich im renommierten „Journal of Applied Psychology“ veröffentlicht, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis. Jonas Lang (Psychologieprofessor an der Universität in Gent, Belgien) und Harrison Kell (Mitarbeiter am Educational Testing Service in Princeton, USA) begleiteten die Testteilnehmenden nicht nur die üblichen 3 bis 5 Jahre, sondern ganze 51 Jahre (Lang & Kell, 2020)!

Ehemalige High-School Studierende durchliefen in den 1960ern umfangreiche Intelligenztests. 11 Jahre später, also in den 1970er Jahren, gaben 85.000 Teilnehmende als Messgrößen das erreichte Gehalt sowie das erreichte berufliche Prestige an. Ganze 51 Jahre nach der ersten Erhebung gaben zusätzlich 2.000 Teilnehmende weitere Auskunft über die Entwicklung ihres beruflichen Erfolges. Die Ergebnisse nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben sind beeindruckend klar. Es besteht eine stark positive Korrelation – ein eindeutiger Hinweis darauf, dass ein Zusammenhang zwischen Intelligenz und Berufserfolg existiert; und das auch über eine solch lange Beobachtungsdauer.

Die Korrelation zwischen der Intelligenz (genauer: „General mental ability“, GMA) und des Einkommens 51 Jahre später beträgt r=.46. Die Korrelation zwischen GMA und des Prestiges des Berufs r=.32.

Eine wegweisende Publikation von Meyer et al. (2001) ist bei der Interpretation solcher Koeffizienten hilfreich. In dieser werden nämlich Korrelationskoeffizienten r unterschiedlicher Forschungsbereiche gesammelt und lassen sich leichter miteinander vergleichen:

Der Zusammenhang zwischen Rauchen und dem Auftreten von Lungenkrebs wird dort mit r=.08 angegeben. Bei einem Koeffizienten von r=.00 würde zwischen Rauchen und Lungenkrebs überhaupt kein Zusammenhang bestehen. Bei r=1.00 wäre der Zusammenhang perfekt: Bei jedem rauchenden Menschen würde später sicher Lungenkrebs auftreten. Oder andersherum: Bei jeder nicht rauchenden Person gäbe es sicher keinen Befund. Direkt verglichen, ist der Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs sehr viel kleiner als der Zusammenhang zwischen Intelligenz und Gehalt nach 51 Jahren!

Nun zu einem zweiten Vergleich: Zwischen der Einnahme von Kopfschmerzmittel wie Ibuprofen und der späteren Schmerzreduktion liegt die Korrelation bei r=.14. Die bisherigen Zusammenhänge sind wieder viel schwächer als das Zusammenspiel von Intelligenz und Gehalt 51 Jahre später.

Schon verwunderlich: Würden wir eine längere Diskussion darüber beginnen, ob sich Ibuprofen als Schmerzmittel eignet oder Rauchen krebserregend ist? Vermutlich nicht. Dennoch gibt es sogar bei höheren statistischen Zusammenhängen zwischen Intelligenz und Berufserfolg immer wieder Diskussionen.

Für die moderne Eignungsdiagnostik bedeutet dies: Die Messung von Intelligenz ist in sehr vielen eignungsdiagnostischen Situationen sinnvoll, weil die Erfassung meist effizient durchführbar ist und zudem die Ergebnisse eine sehr hohe Vorhersagekraft für den späteren Studien- oder Berufserfolg haben.

Auch wenn sich Berufserfolg nicht wie in einer Glaskugel vorhersagen lässt: Das erfolgreiche Lösen von abstrakten Testaufgaben oder Zahlenreihen im Intelligenztest ist ein wesentlicher Indikator dafür, dass jemand beruflich erfolgreich sein wird.

Lassen Sie sich unverbindlich beraten, wie in Ihrem Auswahlprozess innovative Diagnostik die Trefferquote steigern kann.

Nutzen auch Sie kurze Intelligenztests für die beste Vorhersage von Berufserfolg: https://www.itb-consulting.de/online-tests/itb-icos/ oder https://www.itb-consulting.de/online-tests/itb-chart/

Lang, J. W. B., & Kell, H. J. (2020). General mental ability and specific abilities: Their relative importance for extrinsic career success. Journal of Applied Psychology, 105(9), 1047–1061.

Meyer, G. J., Finn, S. E., Eyde, L. D., Kay, G. G., Moreland, K. L., Dies, R. R., Eisman, E. J., Kubiszyn, T. W., & Reed, G. M. (2001). Psychological testing and psychological assessment: A review of evidence and issues. American Psychologist, 56(2), 128–165.

Wirtz, M. A. (2020). Dorsch, Göttingen: Hogrefe.

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